Die Corona-Krise hat die Digitalisierung der Schulen beschleunigt, wenn auch noch nicht dahingehend, dass Schülerinnen und Schüler in Zukunft im Unterricht digital arbeiten, sprich im Alltag im Klassenzimmer vor digitalen Endgeräten sitzen, Schulbücher zu Apps werden und Hefte nicht mehr die einzige Quelle für Aufschriebe darstellen.
Hierbei stellt sich die Frage ob man als Schule ein einheitliches Gerät vorgibt und evtl. zur Verfügung stellen kann oder ob man den Schülerinnen und Schülern die Wahl des Gerätes und evtl. sogar ganz die Option auf digitales Arbieten überlässt (BYOD verpflichtend/ optional).
Im Folgenden werden Argumente genannt, warum es aus meiner Sicht deutlich mehr Sinn macht auf einheitliche Geräte zu setzen:
Um im Klassenzimmer digital arbeiten zu können, benötige ich als Lehrer Klarheit darüber vor welcher Technik die SuS sitzen und welche Arbeitsmöglichkeiten sich daraus ergeben. Ich muss als Lehrer planen können, wie ich meine Informationen (zB Arbeitsblätter, Handouts, Texte, Bilder, Videos, Links) an die Klasse weitergebe, wie ich digitale Aufgaben kommunizieren kann (z.B. Teams Kanalbeiträge oder Aufgabenfunktion) und wie die SuS mir ihre Antworten zukommen lassen können. Dabei helfen einheitliche Geräte durch folgende Aspekte:
- Einheitliche Eingabeoptionen: Stift (+ Tastatur) vs. Trackpad, Maus + Tastatur – Wenn ich weiß wie die SuS z.B. meine Arbeitsblätter ausfüllen, kann ich diese dementsprechend gestalten. Beispielsweise benötigt ein Mathe Arbeitsblatt bei dem digital gezeichnet werden soll einen Stift.
- Einheitliche Apps/ Programme – Dadurch, dass die Schule das Appspektrum der SuS mitgestalten kann, kann ich mich als Lehrer darauf einstellen und dementsprechend planen. Eine Englischarbeitsblatt mit Lückentext im PDF Format benötigt zumindest eine einheitliche App in der ich ein PDF beschreiben kann.
- Einheitliche technische Standards (z.B. Airdrop, Classroom App, AppleTV Connectivität) – Daraus ergibt sich eine bessere Zusammenarbeit auf ganz vielen Ebenen. Z.B. können spontane Fotoaufnahmen von einem Arbeitsblatt oder einem Buch über Airdrop und die Classroom App schneller mit der Klasse geteilt werden als über Teams. Ein großer Punkt sind die Präsentationsmöglichkeit. In unserem Fall über AppleTV. Die Schüler präsentieren mit Ipad spielend leicht vom Platz aus Hausaufgaben oder nutze es für Präsentationen vor der Klasse. Mit BYOD fallen alle nicht Apple Geräte da raus.
- Bessere Beratungs- und Schulungsmöglichkeiten
- Lehrer und Schüler haben im Gespräch dasselbe Bild vor Augen (Layout der Apps, Buttonanordnung, Eingabeoptionen (z.B. Gesten uvm.)
- Lehrer kennt das Gerät, das alle Schüler benutzen durch eigene tägliche Benutzung. Dadurch ganz anderes Verständnis für Anliegen der Schüler und generell die Anforderungen des Geräts für das digitale (Zusammen)Arbeiten.
- Einheitlichkeit unter den Schülern ermöglicht Austausch und gegenseitige Beratung zwischen den Schülern.
- Lehrer tauschen sich mehr über das Gerät aus, bilden sich gegenseitig fort und tauschen sich über Apps und Methoden aus, wenn es einen einheitlichen Standard bei den Schülern gibt.
Klare Argumente für den Einsatz von Ipads bzw. iOS kommen hinzu:
- Das App-Angebot – Apps erweitern die Medienvielfalt im Unterricht. Der Markt für Bildungsapps wächst kontinuierlich und wird in der Zukunft eine zentrale Rolle einnehmen. Dabei variiert das Angebot leider immer noch stark zwischen den einzelnen Betriebssystemen. Besonders schlecht aufgestellt ist der Windows Store.
- Digitale Schulbücher können auf Windows/ MacOS Geräten nicht als Apps heruntergeladen werden. Sie stehen nicht offline zur Verfügung da sie nur im Browser geöffnet werden können und benötigen somit immer eine starke Internetverbindung (z.B. wenn Medieninhalte (Audio/Video) gestreamt werden sollen). Internetprobleme fallen so stärker ins Gewicht, da dann selbst das Buch nicht zur Verfügung steht.
Ganz generell sehe ich einen großen Vorteil darin ein Gerät über die Schule zur Verfügung zu stellen. Die Schule legt den Zeitpunkt fest an welchem die SuS das Gerät bekommen. Am Gymnasium kann das zum Bsp. am Ende von Klasse 7 sein, wenn die SuS noch Informatikunterricht haben in welchem in den letzten Stunden des Schuljahres durchaus eine Einführung in das Gerät eingebettet werden kann. Wir Lehrer können die SuS dann über den Verlauf mehrerer Jahre intensiv im Umgang mit dem Gerät schulen und haben durch die eigene Nutzung des ausgewählten Geräts im Alltag (#Lehrertablets) einen guten Überblick über die Chancen und Risiken des Geräts und selbst genügend Kompetenzen, um die Schüler an dem spezifischen Gerät zu begleiten.
Bei der Distribution von Endgeräten durch die Schule ist eine Idee, am Ende der Schullaufbahn eine Kaufoption auf das Gerät anzubieten, damit der/die Schüler*in weiterhin am geweohnten Gerät arbeiten kann. Eine Nutzungsdauer von z.B. 6 Jahren (Klasse 8-Abitur) entspricht dabei einer realistischen Gerätenutzungsdauer um ein Gerät wie das Ipad zu einem günstigen Preis abgeben zu können.
Pädagogische Vorteile kommen hinzu:
- Ein Schulgerät darf bei Regelverstößen eingesehen (und sogar eingezogen) werden. Ein Privatgerät nicht.
- Die Lebenswelt der SuS wird noch stärker in die Schule geholt mit Vor- aber auch Nachteilen. Manche Inhalte die auf Privatgeräten gespeichert sind, will man evtl. nicht in der Schule haben. Zudem verleiten die Privatgeräte mehr zur Ablenkung von schulischen Inhalten als Schulgeräte (z.B. durch Spiele, Fotos/Videos oder private Messanger).